Teck-Lensa, Spätzla und Saitenwürschtla

Witzig: Da frage ich meine Leser, welches Rezept sie sich wohl von zimtkringel für Weihnachten wünschen und denke, das wird was richtig Festliches. Und was wünscht man sich? Lensa, Spätzla und Saitenwürschtla!

Ist es denn die Möglichkeit? Aber erstens ist mir Euer Wunsch Befehl, und zweitens essen wir das auch sehr gerne. Also los:

 

Einst ein Arme-Leute-Essen, sind die Linsen heute längst in der Spitzengastronomie anzutreffen. Die Teller der schwäbischen Haushalte haben sie allerdings nie wirklich verlassen. Nur die Sorte, die echte, wirkliche Alblinse, ist eigenlich eine kleine Sensation. Ich greife hier besonders gerne auf eine Linse aus ganz regionalem Anbau zurück: Die Teck-Linse, angebaut vom Biolandhof Gruel in Owen. Damit liegen zwischen  Acker und meinem Kochtopf nämlich knapp 10 Kilometer Luftlinie!

Anders als die weit verbreiteten, großen Tellerlinsen, sind Alblinsen, vergleichbar mit Puylinsen, deutlich kleiner, müssen entsprechend nicht eingeweicht werden und werden vor allem auch innerhalb kurzer Zeit gar.

Wirklich sensationell an den kleinen Dingern ist aber ihr Verschwinden und Wiederaufleben in unserer Gegend:

Früher besonders auf den mageren Böden der Schwäbischen Alb und des Albvorlandes beheimatet, verschwanden die Linsen Ende der 50er-Jahre vollends von den Feldern.  Der Anbau war einfach zu mühselig und wenig ertragreich. Schlimmer, das letzte Saatgut verschwand ebenso und wurde schließlich im Bundessortenregister gelöscht. Als man sich Anfang des neuen Jahrtausends wieder auf die ursprünglichen Sorten besann, war es zu spät. Nirgendwo gab es mehr passendes Saatgut. Erst im Jahr 2006 wurde man bei der Genbank in Sankt Petersburg fündig: All die Jahre, quasi hinter dem eisernen Vorhang, hatte man einige wenige Samen der Alblinse erhalten. Zwei Tütchen mit insgesamt 350 Samenkörnern kamen wieder zurück in die alte Heimat und bildeten die Grundlage für den Wiederanbau.

Heute werden sie in unserer Gegend wieder angebaut. Anbau und Ernte ist nach wie vor sehr mühsam, aber einige wenige Landwirte nehmen Arbeit und Risiko auf sich und leisten damit nicht nur wichtige Arbeit für den Arterhalt, sondern tragen auch zum ökologischen Gleichgewicht bei. Da die zarten Linsenpflanzen nämlich nicht allein stehen würden, wird Hafer als Stützfrucht mit ausgesät. Besonders bodenlebende Vögel und Kleintiere sind für diesen Lebensraum sehr dankbar.

 

...und wir auch! Denn nun kommen wir endlich wieder zu dem zurück, warum Ihr hier wahrscheinlich herein geklickt habt:

Zu Lensa mit Spätzla und zur Anleitung, wie sie bei uns am Fuß der Schwäbischen Alb auf den Tisch kommen:

Für vier Personen:

250g Alblinsen

100g Bacon

1/2 l Brühe

1 Zwiebel

2 Karotten

2 Scheiben Knollensellerie

1 kleine Stange Lauch

1 kleine Kartoffel

1 Lorbeerblatt

2 EL Öl

1 EL Senf

2 EL Essig

Salz, Pfeffer

Spätzle und Würstchen

  • Linsen waschen
  • Gemüse ( ausser Kartoffel) klein würfeln
  • Zwiebeln in Öl andünsten
  • klein gewürfelten Bacon zu den Zwiebeln geben und drei Minuten mit andünsten
  • übriges Gemüse  (ausser Kartoffel) zugeben
  • Linsen, Lorbeerblatt und Brühe zugeben und mit geschlossenem Topfdeckel ca. 20 Minuten weich kochen
  • Kartoffel schälen und fein reiben, ca. 5 Minuten vor Kochende unterrühren
  • Senf und Essig unterrühren und eventuell etwas nachwürzen
  • Würstchen in den heißen Linsen warm werden lassen
  • Spätzle (ausnahmsweise die gekauften) garen

Solltet Ihr mit anderen Linsensorten arbeiten, beachtet bitte, dass die Garzeiten stark variieren können und manche Sorten sogar vorher eingeweicht werden wollen.

Jeder darf gerne im eigenen Teller nachwürzen. Hier im Haus wird oft Essig oder gar Maggi nachgekippt. Und nun: Laßt es Euch schmecken und genießt die Weihnachtszeit, Ihr Lieben!

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Kommentare: 2
  • #1

    Martha (Freitag, 22 Dezember 2017 05:30)

    Mmh.. Sehr lecker.
    Bei mir werden die Linsen immer sehr essiglastig. Aber das ist eben mein Geschmack. �

  • #2

    Simone von zimtkringel (Sonntag, 31 Dezember 2017 15:17)

    Sauer macht ja bekanntlich lustig! Ich mag Essig auch sehr gerne und habe mit Hilfe eines befreundeten Händlers langsam aber sicher eine kleine Essig-Sammelwut entwickelt. Ich glaube, das muß ich irgendwann mal fotografieren, das glaubt mir sonst kein Mensch, was sich da angesammelt hat... :)

    Grüßle
    Simone