Gaisburger Marsch

Wie doch die Zeit vergeht! Nun ist das Jahr schon fast wieder vorbei und die Feiertage stehen kurz bevor.

Viel muß man über dieses Jahr wohl nicht sagen.

Wenn überhaupt, dann war es wohl ein Jahr der eher kleinen Freuden.

 

Davon gab es aber immerhin einige. Die virtuellen Reisen der Kulinarischen Weltreise gehören für mich auf jeden Fall dazu.

Was sich die Mitreisenden unter Leitung von Volker von volkermampft zu jedem einzelnen Reiseziel einfallen lassen haben, ist fantastisch.

Mochten manche Ziele auch noch so ausgefallen oder exotisch sein, es kamen immer großartige Rezepte zusammen.

Diese letzte Reise des Jahres 2021 führt uns nun in die Heimat. Deutschland ist das Ziel und ich bin mir sicher, dass wir nicht minder abwechslungsreiche Rezepte zeigen werden. Schaut mal hier:

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Mein Rezept stammt mal wieder aus meiner unmittelbaren Umgebung und heißt Gaisburger Marsch, in anderen Gegenden auch Kartoffelschnitz und Spätzle, in Baden Verheierte. Es handelt sich um ein traditionelles schwäbisches Eintopfgericht mit langer Geschichte.

Die eine Legende besagt, dass es seinen Namen von der Vorliebe Stuttgarter Offiziersanwärter hat, die im 19. Jahrhundert nach dem Exerzieren und Marschieren besonders gerne auf einen Teller Eintopf in der Gaststätte Bäckerschmide im Stadtteil Gaisburg einkehrten. Die andere Entstehungsgeschichte besagt, dass Gaisburger Frauen erlaubt wurde, ihre in  Gefangenschaft befindlichen Männer einmal pro Tag mit Suppe zu versorgen. In diese Schüssel wanderte dann alles, was gut schmeckte und nahrhaft war. Das erklärt bis heute die Zusammensetzung des Suppentopfs, denn er enthält Nudeln und Kartoffeln.


Wir hier im Hause zimtkringel haben unsere ganz eigene Geschichte, was den Gaisburger Marsch angeht. Als Herr zimtkringel nämlich vor gut 20 Jahren aus der Schweiz nach Schwaben kam und hier die erste Arbeitsstelle antrat, war er ziemlich begeistert vom Essen in der Betriebskantine. Bis zum Freitag. Er kam heim und meinte, die Schwaben wären nun doch ihrem Ruf gerecht geworden, denn am Freitag würde wohl gespart und aus allen Resten der Woche ein Eintopf gekocht: Spätzle, Kartoffeln, Fleisch und Gemüse und alles in einen Teller! Und zu seiner großen Überraschung standen die Leute dafür auch noch Schlange!

Man  muß nämlich wissen, in Schwäbischen Kantinen gibt es zwei Gerichte, die die Massen bewegen: Linsen mit Saiten und Spätzle und eben Gaisburger Marsch. Echtes Mama-Essen, das nur noch wenige selbst kochen. Steht es aber auf der Speisekarte, freut sich des Schwaben Herz! Mal sehen, ob ich Euch auch dafür begeistern kann:

Für eingen großen Topf, von dem vier gut satt werden:

2 große Rinderbeinscheiben (ca. 1 kg)

3 Karotten

1 Stück von einem Knollensellerie

1 Stange Lauch

1 große Zwiebel

ein paar Stängel Petersilie

Salz

2 Lorbeerblätter

1 Nelke

1 TL schwarze Pfefferkörner

Für die Spätzle:

300g Mehl

3 Eier

etwas Mineralwasser

Salz

Ausserdem:

4 große Kartoffeln

1 El Butter

1 große Zwiebel

Petersilie zum Bestreuen


  • Zwiebel waschen, halbieren, ungeschält mit der Schnittfläche nach unten in einen großen Suppentopf geben und kräftig anbräunen
  • Beinscheiben zufügen und mit 2 bis 3 Litern klarem Wasser auffüllen
  • eine gute Prise Salz, Lorbeerblätter, Nelke und schwarze Pfefferkörner zufügen und das Wasser zum Köcheln bringen
  • immer wieder mit einem Schaumlöffel den Schaum abnehmen, bis die Brühe klar bleibt
  • ca. 2 Stunden köcheln lassen, bis das Fleisch der Beinscheiben fast schon vom Knochen fällt
  • mittlerweile geputze Karotten, Sellerie und Lauch würfeln, bzw. in Ringe schneiden und dann zusammen mit der Petersilie ca. 30 Minuten vor Kochzeitende zur Brühe geben
  • für die Spätzle Mehl mit Eiern, Salz und gerade so viel Wasser mischen, dass sich ein zähflüssiger Teig ergibt, diesen mit einem Kochlöffel so lange schlagen, bis sich Blasen ergeben, kurz stehen lassen
  • Spätzleteig entweder vom Brett ins siedende Wasser schaben oder mit einer Spätzlepresse ins Wasser drücken (natürlich kann man auch gekaufte Spätzle nutzen)
  • gare Spätzle steigen im Wasser nach oben - mit dem Schaumlöffel aus dem Wasser heben und in kaltem Wasser abschrecken, abgießen und zur Seite stellen
  • Kartoffeln schälen und würfeln, in Salzwasser garen, abgießen und zur Seite stellen
  • restliche große Zwiebel in feine Ringe schneiden und im Butter anbraten
  • gare Beinscheiben aus der Brühe nehmen, das Fleisch vom Knochen lösen und in mundgerechte Stücke schneiden
  • falls Knochenmark vorhanden ist, dieses aus dem Knochen löffeln und zusammen mit den Fleischstücken wieder in die Suppe geben
  • Suppe noch einmal abschmecken
  • Petersilie hacken
  • zum Servieren je einen Löffel Kartoffeln und Spätzle in einen tiefen Teller geben, mit Suppe auffüllen
  • mit etwas gehackter Petersilie bestreuen und mit angebräunter Zwiebel toppen

Guten Appetit und herzlich Willkommen in Schwaben!

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Kommentare: 8
  • #1

    Franziska (Samstag, 18 Dezember 2021 22:13)

    Ich kann dieses Gericht riechen!

    Meine Liebe, ich wünsche Dir und euch ein angenehmes, lustiges, entspanntes Adventswochenende, und bleibt gesund! ❤️

    Auch, wenn Du nur selten von mir liest, ich bin hier.

  • #2

    Kathrina (Mittwoch, 22 Dezember 2021 10:00)

    Wie lecker. Das ist einfach perfekt nach einem schönen langen Waldspaziergang bei eisigen Temperaturen.
    Liebe Grüße und schöne Weihnachten.

  • #3

    Edyta (Mittwoch, 22 Dezember 2021 15:42)

    Alle diese Namen sind mir unbekannt, wieder Mal was Interessantes erfahren :)
    Liebe Grüße und Frohe Weihnachten!
    Edyta

  • #4

    Britta Koch (Sonntag, 26 Dezember 2021 08:08)

    Da würde ich mich aber doch liebend gerne nach einem langen Marsch an den Tisch setzen. Ich finde, Dein Teller sieht herrlich aus.

    Muss ich unbedingt mal machen!

  • #5

    Marion (Montag, 27 Dezember 2021 14:09)

    Bin selbst im Schwabenland geboren und kann die Geschichte mit den Soldaten bestätigen. So hat es mir auch meine Oma erzählt. Dieser Eintop ist wirklich super lecker und hat mit Restlessen gar nix zu tun. Probiert den mal. Macht süchtig. :-)) Viele liebe Grüße!
    Marion

  • #6

    poupou (Sonntag, 02 Januar 2022 19:48)

    Oft davon gehört, aber noch nie gegessen. Die Fotos sind wirklich verlockend! Das probieren wir bald mal aus!

    Liebe Grüße
    poupou

  • #7

    Volker (Montag, 24 Januar 2022 16:39)

    Hallo Simone,

    so ist das mit regionalen Gerichten. Wenn man die nicht kennt, wundert man sich erstmal, was das besondere sein soll.

    Ich kann mir super vorstellen, was Herr Zimtkringel da wohl gedacht hat.

    LG Volker

  • #8

    Brotwein (Dienstag, 25 Januar 2022 15:57)

    Es wird Zeit, dass ich diesen Eintopf auch mal koche. Und bei Deinem Rezept, weiß ich, dass das so schmeckt wie es schmecken soll. :-)
    Lieben Gruß Sylvia