Der Frühling läßt hier in Schwabilon noch ein wenig auf sich warten, der alpine Gatte schaut in jeder freien Minute Olympische Winterspiele, mich dagegen veranlasst das graue Wetter vor allem zu einem: Schmorgerichte.
Ja, ich bin eben ein etwas schlichtes Gemüt: Sommer? Essen! Winter? Essen! Morgens, mittags, abends? Für jede Jahreszeit, Tageszeit, Stimmung findet sich mit etwas Geduld das passende Rezept...
Nun ist Coq au Vin, also Huhn in Rotweinsauce nicht zwingend ein Wintergericht.
Als eines der bekanntesten Rezepte der französischen Landhausküche schmeckt es selbstverständlich rund ums Jahr. Und als echtes Traditionsgericht gibt es gefühlt sieben Fantastillionen Rezepte von denen selbstverständlich jedes das einzig wahre ist. Ich habe ganz kurz mit dem Gedanken gespielt, wieder mein neues Lieblingsspielzeug, den Instant Pot zu nutzen. Dann hat aber doch der klassische, schwere Schmortopf gewonnen, den ich nachher einfach in den Backofen packe und der Dinge harre.
Vor knapp zwei Jahren habe ich Coq au Riesling, die Weißwein-Variante des Traditionsgerichtes, wie es bei unseren Nachbarn im Elsass zubereitet wird, gezeigt. Wir fahren ab und zu zum Einkaufen nach Frankreich und freuen uns immer sehr an den wunderbaren Produkten und auch an dem Stellenwert, den gute Lebensmittel dort haben. Da kann es dann durchaus passieren, dass einen Menschen an der Käsetheke oder in der Gemüseabteilung ganz unvermittelt mit ihrer Meinung zum einzig wahren Rezept versorgen.
Zu Zeiten finde ich das ganz lustig.
Wollte ich beim Coq au Vin ganz nah am Original bleiben, würde ein ganzer Hahn in den Topf wandern. Ich mache es mir heute leicht und nutze Hähnchenoberkeulen. Dafür habe ich das Fleisch bereits am Vortag in Rotwein eingelegt. In den Rezepten steht oft, man solle einen "preiswerten, anständigen Tropfen" wählen, den man auch mit gutem Gewissen trinken würde. Nun kenne ich mich mit Wein null aus. Falsch. Unter null. Kann man sich minus drei auskennen? Auf dem Stand bin ich in etwa. Vor Jahren hat man uns mal zu einem Weinseminar eingeladen und mir einen Nuancenfächer in die Hand gedrückt. Ich sollte Wein versuchen und dann auf dem Fächer einstellen, ob der Schluck eher nach Brombeere, Apfel oder Vanille schmeckt. Ich habe gesagt, er schmeckt sauer und wurde von da an quasi vom Seminar ausgeschlossen. Wie dem auch sei, Thomas hat mir fürs Huhn eine Flasche Burgunder in die Hand gedrückt. Wird schon passen...
Für drei bis vier sehr Hungrige:
1,1 kg Hähnchenoberkeulen mit Haut und Knochen
3 große Karotten
2 Stangen vom Staudensellerie
3 Knoblauchzehen
2 Lorbeerblätter
3 Stengel vom frischen Thymian
1 paar Pfeffferkörner
Salz und Pfeffer
125g Baconwürfel
1 EL Bratbutter oder Öl
600ml kräftiger Rotwein
250ml Fleischbrühe
1 EL Tomatenmark
1 EL Mehl
6-12 Schalotten, je nach Größe
50g Butter
200g braune Champignons
am Vortag:
- Karotten und Sellerie waschen und putzen, Knoblauchzehen schälen, alles in grobe Stücke schneiden
- Hühnerteile mit dem Gemüse, Pfefferkörnern, Lorbeerblätter und Thymian in eine verschließbare Schüssel geben, mit Wein begießen und im Kühlschrank über Nacht, bis zu 24 Stunden stehen lassen
am Kochtag:
- Bacon in einem großen, schweren Topf in der Bratbutter rundum einige Minuten anbraten, dann zur Seite schieben
- Fleisch und Gemüse abgießen, dabei den Weinsud auffangen
- Fleischstücke trocken tupfen, dann im Topf rundum ein paar Minuten anbraten
- Fleisch ebenfalls zur Seite schieben, abgetropftes Gemüse zufügen und einige Minuten rundum anbraten
- Backofen auf 180° Umluft vorheizen, Rost auf den unteresten Einschub geben
- Tomatenmark zum Gemüse geben und zwei Minuten mit anschmurgeln, dann Mehl darüber geben und weitere zwei Minuten anbraten
- mit Weinsud und Brühe aufgießen, den Bratensatz ein wenig loskochen und alles aufkochen lassen
- Topf in den vorgeheizten Backofen geben, Deckel drauf und erstmal 50 Minuten schmurgeln lassen
- mittlerweile Schalotten in eine Schüssel geben und mit kochendem Wasser überbrühen, abkühlen lassen und schälen - das Überbrühen hilft beim Schälen, ohne geht es natürlich auch
- Pilze putzen und je nach Größe ganz lassen, halbieren oder vierteln
- Butter in einer Pfanne erhitzen, Schalotten je nach Größe halbieren und in der Butter einige Minuten anbraten, bis sie fast gar und leicht golden sind, Champignons mit einer Prise Salz dazu geben und weitere 5 Minuten anbraten
- Schalotten und Pilze samt Butter aus der Pfanne in den Fleischtopf geben, umd mit geöffebtem Deckel weitere 10 Minuten im Backofen lassen
- mit Salz und Pfeffer abschmecken und vor dem Servieren nach Belieben mit mehr frischem Thymian toppen
Zu Coq au Vin passt frisches Baguette, Kartoffelbrei oder schöne Pasta und wie bei vielen Schmorgerichten gilt, aufgewärmt schmeckt es fast noch besser. Falls was übrig bleibt. Bon appétit!

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Anne (Dienstag, 10 Februar 2026 09:03)
Das passt ja wie bestellt! Ich bekomme am Wochenende Besuch von einer lieben Freundin, da wollen wir viel reden, viel lachen und natürlich gut essen. Ein Rezept, das gut schmeckt und dazu noch gut vorbereitet werden kann … was will man mehr!
Vielen Dank liebe Simone für Ihre Arbeit, die Sie in den Blog stecken. Das wird hier sehr geschätzt!
Lieben Gruß
Anne