Beschwingtes Kartoffelpü

Thomas Kartoffelbrei-Manifest

Thomas kocht hier zur Zeit.

Manchmal schreibt er hier auch.

Vor allem, wenn es um ein Thema geht, das ihm wichtig ist.

 

Kartoffelpü ist ihm sehr wichtig!

 

Überhaupt mag der Herr zimtkringel sehr gerne traditionelles Essen. So erwartet Euch hier in nächster Zeit einiges an stabiler Hausmannskost.

Los geht´s also mit Pü.

Ich lehne mich zurück und überlasse Thomas das Wort:

 

So einfach die Herstellung ist, so sehr erhitzt das beste Rezept für Kartoffelbrei die Gemüter. Die Frage, was muss rein und was darf unter keinen Umständen rein, kann ebenso zu endlosen Diskussionen führen, wie verschiedene Ansichten über die ideale Methode, Kartoffeln zu Brei zu verarbeiten.

Irgendwie hat dann jeder vermeintliche Koch in der Familie sein eigenes Rezept, wie es am besten schmeckt.

Und wer erst mal einen selbst gemachten Kartoffelbrei gegessen hat, will ihn gar nicht mehr anders.

Nicht ganz ohne Grund: Die Kartoffel zählt zu den wichtigsten Nahrungsmitteln der Welt.

 

Um es in Zahlen auszudrücken – rund 370 Millionen Tonnen Kartoffeln werden jährlich rund um den Globus geerntet.

 

Aber nun genug der Fakten über das Nachtschattengewächs, wir befinden uns ja schließlich in einem Foodblog und wollen uns den Genüssen und dem Genießen widmen.

Wer sich also mit dem Gedanken auseinandersetzt, Kartoffelpüree – in der Schweiz Härdöpfelstock genannt – zu servieren, braucht dazu die richtige Kartoffelsorte.

Und da die Kartoffeln ja wortwörtlich zu Brei verarbeitet werden, ist es selbsterklärend, dass diese mehligkochend sein sollten.

Die meisten empfehlen ein Kilogramm für vier Portionen.

 

Da wir – Frau und Herr zimtkringel – den Brei aber nicht nur als schnöde Beilage zum leckeren Gericht betrachten, gilt für uns Zwei allein die Einkiloregel.

Die mehligkochenden Knollen holen wir uns meist von regionalen Anbietern. In unserer Region gibt es glücklicherweise noch viele landwirtschaftliche Betriebe.

Sind die Kartoffeln einmal im Haus, gilt es, die verantwortliche Person fürs effektive Schälen zu finden. Im zimtkringel-Haushalt fiel diese Entscheidung bisher rasch und schnell: Frau zimtkringel hatte immer gewonnen, da es einfach keine richtigen Kartoffelschäler für Linkshänder gibt.

 

Es ist fast paradox, dass ich als Linkshänder nun durch die linksärmlige Unpässlichkeit der Frau zimtkringel zum Schälen mit Links verdonnert bin.

Wo ein Wille ist, ist ein Weg. Zwar unschön und deutlich weniger akkurat schaffe auch ich es, die Kartoffeln zu schälen. Viel einfacher ist der zweite Schritt, nämlich das Zerstückeln der Knollen. Auch wenn bald Halloween gefeiert wird, muss das Zerkleinern der Kartoffeln keinem Horrorstreifen nacheifern.

Vielmehr sollten die Stücke gleich groß sein.

Und da erinnere ich mich gerne an meine Großtante, Tante Anni, wie sie immer sagte: „Dann sind nach dem Kochen alle gleich weich.“

 

Das Kochen der Kartoffeln ist kein Hexenwerk: In Salzwasser 20 bis 25 Minuten weichkochen, danach abgießen und vollständig abtropfen lassen. Jetzt beginnt das Highlight des Kartoffelpürees und vermutlich der Diskussionsstoff über das Was, Wie und Wieviel.

Ich stelle mir neben den Kochtopf mit den weichgekochten Kartoffeln schon mal Milch, Butter und Salz bereit. Aber bitte die Zutaten nicht auf eine heiße Herdplatte stellen.

 

Während es über Butter und Salz kaum Redebedarf gibt, geht die Meinung bei der Milch vermutlich auseinander. Die einen schwören auf warme Milch und die anderen nicht. Ich gehöre zu Letzteren und weiß, dass es bisher immer gut funktioniert hat, wenn die Milch direkt aus dem Kühlschrank kommt.

 

Kartoffelstampfer, Schwingbesen und Probierlöffel sind meine benötigten Werkzeuge. Beim Wort Schwingbesen dürften sich einem bekannten Fernseh- und Sternekoch wohl sämtliche Nackenhaare sträuben. Er maßregelte kürzlich in einer Kochshow einen Kandidaten, der den Schwingbesen benutzen wollte: „Man muss die Kartoffel ehren und deshalb darf der Schwingbesen nicht verwendet werden.“ Doch, darf man! Und das sage nicht nur ich, sondern das sagte vor 40 Jahren schon Tante Anni. Und was Tante Anni sagt, stimmt.

Nun gut, ran an die Arbeit. In der heißen Pfanne – wir wollen ja trotz der ausschweifenden Erklärungen keinen kalten Kartoffelbrei auf dem Teller – rückt man den Kartoffeln mit dem Stampfer zu Leibe.

 

Und, auch wenn der Hunger sich meldet und das Wasser im Mund schon zusammenläuft: Zeit lassen beim Stampfen. Lieber 10 Sekunden länger stampfen, als anschließend auf den cremigen Härdöpfelstock zu verzichten. Dabei kann man schon mal ein Stückchen Butter, etwa 30 Gramm, mit einstampfen.

Es folgt nun der Griff zum Schwingbesen. „Mindestens 20-mal im Uhrzeigersinn und 20-mal gegen den Uhrzeigersinn rühren“, erklärte meine Großtante.

So mache ich es bis heute und steuere die Kraftanstrengung beim Schwingen mit der Zugabe der Milch. Etwa zwei Deziliter, also 200 Milliliter brauche ich etwa, um die gewünschte Konsistenz zu erreichen. Hier sei eingeworfen, dass die Menge der zugegebenen Milch Geschmackssache ist. Wer das Püree lieber schlonzig hat, nehme weniger Milch und wer es flüssiger servieren will, fügt halt den einen oder andern Schluck Milch noch dazu.

Wichtig ist, dass man zwischendurch probiert. Zum einen, um zu schauen, ob der Kartoffelbrei den gewünschten Zustand erreicht hat und zum andern, ob genug Salz drin ist. Hier spielt der eigene Gusto eine große Rolle. Ich sage: Nachwürzen kann man immer noch.

Man kann den fertigen Härdöpfelstock in einer Extraschüssel servieren oder wenn man nicht gerade die High Society zu Gast hat, auch einfach im Kochtopf auf den Tisch stellen.

Viel wichtiger ist sowieso das Anrichten auf dem Teller: Mit der Kelle die gewünschte Menge schöpfen und ist das Kartoffelpüree auf dem Teller, wird mit dem Kellenrücken eine Mulde in den Härdöpfelstock gedrückt und damit der Saucensee geschaffen.

Probiert es aus! Viele kleine und große Kinder werden sich darüber freuen. Guten Appetit.

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Kommentare: 3
  • #1

    Johanna von Dinkelliebe (Montag, 03 Oktober 2022 23:26)

    Liebe Simone und lieber Herr Zimtkringel,
    gerade wollte ich euer tolles Pane Pugliese kommentieren, da stolperte ich über euer Kartoffelpüree. Neugierig las ich den Beitrag, weil ich auch sehr gerne KaPü selber mache, und fiel aus allen Wolken als ich las wieviel ihr davon esst. Du lieber Himmel, wie schafft ihr das nur? :D *lach* Wo steckt ihr das bloß hin und wie kriegt man so viel runter ohne danach jammernd und stöhnend mit Bauchschmerzen auf dem Sofa zu liegen?
    Ich darf euch wahrscheinlich gar nicht verraten wieviele Kartoffeln ich für uns beide verwende, das entspricht bei euch nicht mal einer Portion. *lach* Ach ich sags jetzt doch: 350 g. Tatsache und danach sind wir vollgestopft, weil KaPü so stopft und es ja noch was dazu gibt. *lach*
    Ich dachte immer wir sind verfressen, aber wenn ich das hier lese ... Ohweh ich sag jetzt lieber nix mehr sonst krieg ich noch Haue. :) Bitte nicht falsch verstehen, ist nicht böse gemeint, gell. *grins*
    Übrigens stampfe ich meine Kartoffeln auf der heißen ausgeschalteten Platte auf der ich vorher die Kartoffeln gekocht habe. Wenn der KaPü mir durch die Milch, ich nehm sie auch direkt aus dem Kühlschrank, doch zu kalt wird mache ich die Platte sogar auf kleiner Hitze an. Da man ja am Stampfen und Rühren ist hängt da auch nix an und der KaPü wird wieder schön warm. So mach ichs immer. :)
    Liebe Grüße
    Johanna

  • #2

    ReginaE (Dienstag, 04 Oktober 2022 06:50)

    und so lecker!!

  • #3

    Simone von zimtkringel (Dienstag, 04 Oktober 2022 11:06)

    @Johanna von Dinkelliebe: Jaaaa, der Herr zimtkringel liebt seinen Härdöpfelstock schon sehr! Das Kilo Kartoffeln für zwei ist zugegeben schon hoch gegriffen und meist bleibt ein Rest übrig, der dann zum Beispiel in ein Kartoffelbrot wandert. ...je nach Sauce aber auch in den Herrn zimtkringel!