Mein liebster Salat zu Kinderzeiten war der "Andivie" meiner Oma Marie. Sie sprach den mit ganz langem I am Ende aus.
Ich gebe es zu, ich war fast 20, als mir aufging, dass der Salat Endivie heißt...
Bei meiner Oma wurde der Salat fein geschnitten und danach noch eine Viertelstunde in warmes Wasser gelegt, um die Bitterstoffe zu mildern.
Dann kam er in eine Vinaigrette mit Zwiebeln.
Meistens mache ich das ebenso.
Was die Bitterstoffe angeht, bin ich entweder weniger empfindlich oder man hat die heutigen Sorten weniger bitter gezüchtet. Letzteres, nehme ich an.
Ich lege den geschnittenen Salat zwar auch ins lauwarme Wasser, ich bin mir aber gar nicht sicher, ob das mehr mit "weil Oma das so gemacht hat" oder mit wirklicher Zweckmäßigkeit zu tun hat.
Beim letzen Einkauf habe ich eine monstermäßige Endivie gefunden, an der wir mit Sicherheit mehrmals essen werden.
Zeit für Variationen!
Eine Freundin aus dem Rheinland hat mir etwas von "Endivienuntereinander" erzählt. Ein Gericht aus ihrer Kindheit, bei dem Speck, gedämpfte Zwiebeln, Endiviensalat und Kartoffelstampf gemischt werden. Fast zeitgleich ist mir in einer Foodzeitschrift ein Kartoffelsalat mit Endivieneinlage begegnet. Das probiere ich jetzt. Und dann mixe ich noch ein wenig Oma-Wissen dazu. Ich höre den Herrn zimtkringel schon leise vor sich hin jammern...
Für eine ziemlich große Schüssel, genug als Beilage für drei bis vier Hungrige:
1 kg festkochende Kartoffeln
ca. 10 große Blätter von der Endivie
2 kleine rote Zwiebeln
1 Karotte
250ml kräftige Fleischbrühe
5 - 6 EL Weinessig
2 EL Senf
4 EL Öl
Salz und Pfeffer
Knoblauchpulver
- Kartoffeln waschen, in gut gesalzenem Wasser gar kochen, abgießen und ausdampfen lassen
- mittlerweile Karotten und Zwiebeln waschen, bzw. schälen und fein würfeln
- Brühe mit Essig zum Kochen bringen
- Zwiebel- und Karottenwürfel in der Brühe aufkochen, eine Minute sieden lassen, dann vom Herd nehmen und etwas abkühlen lassen
- Endivienblätter putzen, waschen und quer zur Wuchsrichtung in nicht zu feine Streifen schneiden, dabei die schönen Teile des Blattstiels ruhig nutzen
- Endivienblätter noch einmal in warmem Wasser einweichen, falls die Konsistenz sehr spröde ist, ruhig ein wenig durchkenten, dann gut abtropfen
- die noch warmen Kartoffeln pellen und gleich in eine große Schüssel in Scheiben schneiden - rädeln nennt man das hier bei uns in Schwaben
- Senf und Öl zur Essig-Mischung geben und gut verquirlen
- lauwarmes Dressing über die Kartoffeln geben und schon einmal vorsichtig durchmischen
- mit Knoblauchpulver, Pfeffer und je nach Salzgehalt der Brühe auch mit Salz kräftig abschmecken
- Endivienstreifen untermischen
- kurz durchziehen lassen
- abschmecken
- Tadaaaa!
Bei uns gab es paniertes Schnitzel dazu.
Hach ja, das nenne ich echtes Wohlfühlessen!

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