Wie viele von Euch wohl wissen, stammt der männliche Part von zimtkringel aus der Schweiz, ist aber schon viele, viele Jahre hier im Herzen des Schwabenlandes daheim. Tatsächlich stelle ich immer wieder fest, dass der Mann deutlich mehr Menschen hier im Dorf und der ganzen Umgebung kennt, als das bei mir wahrscheinlich jemals der Fall sein wird.
Trotzdem und gerade deshalb versuche ich mich immer mal wieder an Rezepten aus seiner Heimat. (Suchet im Suchfeld Schweiz, so werdet Ihr finden!) Manche Versuche waren mit mehr Erfolg gekrönt, manche mit weniger. Und während sich einige davon permanent auf unserem Speiseplan halten, laufen andere streng unter "Gut, ich hab´s probiert, sprechen wir nicht mehr darüber...".
Warum ich das jetzt gerade mal wieder erwähne? Nun, weil bei Zorra vom kochtopf mal wieder
ein Blog-Event ansteht. Das 226te in Reihe! Diesmal ist Anika von Ani’s bunte
Küche Gastgeberin und hat sie hat das Motto Winterküche mit Herz für die Liebsten ausgesucht.
Die Gelegenheit für mich, mal wieder in Schweizer Rezeptverzeichnissen zu kramen und mit einem Gericht ums Eck zu kommen, das meinem ganz speziellen Liebsten heimatliche Gefühle bringen sollte. Also hopp, in SwissMilk, Betty Bossy, Migusto und marmite gekramt und noch dazu alle meine nicht wenigen Schweizer Kochbücher aus den Regalen gezogen und jaaaaa fündig geworden!
Kleiner Spoiler: Ich habe mir Cholera (ja, es heißt so, ist aber keineswegs ansteckend!) ausgesucht, eine Gemüsepastete mit Lauch, Kartoffeln, Käse, Birne und Apfel, die im Schweizer Wallis zubereitet wird. Thomas, selbst aus dem Kanton Solothurn, hatte noch nie im Leben davon gehört... Never ever. Niemals.
Heimatgefühle? Ja? Nein. Aber es kam trotzdem von Herzen und es hat uns wunderbar geschmeckt!
Cholera? Wie jetzt? Also, erst einmal hat die leckere Pastete entgegen der Volksüberlieferung wenig mit der Krankheit zu tun. Es hält sich zwar das Gerücht, dass die Walliser während einer Cholera-Epidemie um 1830 wegen der Ansteckungsgefahr ihre Häuser nicht mehr verlassen und deshalb eine Mahlzeit aus Zutaten zubereitet haben, die eh in der Speisekammer lagen. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Benennung einfach auf Kohle, im Dialekt Chola oder Cholu, zurück geht. Cholera wurde und wird bis heute oft nach dem Brotbacken in der Restwärme des Backhauses gebacken. Der Vorraum des Backhauses heißt im Walliser Dialekt Cholära. Bingo!
Falls Euch die Bezeichnung irritiert, dürft Ihr die Pastete auch einfach Chouera nennen, wir es im Hochtal Goms üblich ist, oder noch eleganter, wie im französischsprachigen Unterwallis Le Choléra.
Für eine Pie-Form mit 27cm Durchmesser:
300g Weizenmehl
1/2 TL Salz
110g kalte Butter
8 EL kaltes Wasser
Butter für die Form
125g Baconwürfel
1 EL Butter
500g Lauch, geputzt
1 mittlere Zwiebel
Salz und Pfeffer
300g gekochte Kartoffeln vom Vortag
je 1 kleiner Apfel und 1 kleine Birne
250g kräftiger Käse
1 Eigelb + evtl. etwas Wasser
- Mehl und Salz in einer Schüssel mischen
- Butter in kleinen Stückchen zufügen
- alles rasch von Hand mischen, dabei den Teig in gleichmäßige Krümel reiben
- Wasser löffelweise zufügen und alles rasch zu einem Teig kneten, der gerade so zusammen hält, dabei dürfen kleine Butterflocken noch sichtbar sein
- in Folie verpackt eine halbe Stunde kalt stellen
- mittlerweile Gemüse und Obst schälen und Kerngehäuse entfernen
- Zwiebel in Würfel schneiden, Lauch, Apfel, Birne und Kartoffeln in nicht zu feine Scheiben schneiden
- Käse grob reiben
- Bacon in einer großen Pfanne in der Butter rundum anbraten
- Zwiebel und Lauch zufügen und alles braten, bis die Gemüsesteifen gerade gar sind, dann abkühlen lassen
- Pie-Form oder Backblech gut ausbuttern
- etwa 2/3 des Teiges so ausrollen, dass die Pieform samt Rand damit ausgekleidet werden kann, Teigboden mit einer Gabel mehrmals einstechen
- Kartoffeln, Apfel- und Birnenscheibchen zur Lauchmischung geben und mit Salz und Pfeffer abschmecken
- zum Schluß die Käseraspel unterheben
- Backofen auf 200° Umluft vorheizen
- Käse-Kartoffelfüllung gleichmäßg in der Form verteilen
- restlichen Teig ausrollen und entweder gesamt als Deckel über die Füllung geben oder wie hier als Streifen darüber legen, dabei an den Teigrändern fest drücken und einen möglichst gleichmäßigen Rand formen - Wenn Ihr den Deckel ganz schließt (bei mir reichte der Teig nicht), diesen auch mit der Gabel einstechen
- Eigelb mit 1 EL Wasser verquirlen und Teigdeckel damit einpinseln
- auf unterem Einschub im Backofen ca. 40 Minuten goldbraun backen, falls der Teigdeckel zu dunkel wird, in der letzten Backphase mit Alufolie abdecken
- vor dem Essen etwas abkühlen lassen - Cholera schmeckt warm, lauwarm und kalt
- sich dran freuen!
Bei uns gab es die Cholera mit Salat als kleines, sehr willkommenes Samstags-Mittagessen.


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zorra vom kochtopf (Samstag, 07 März 2026 15:30)
Hab ich leider noch nie gemacht, weil mein Schweizer ja keinen Käse isst. So ein Käse! ;-)