Dem Ruchmehl auf der Spur - Besuch in der Gültsteiner Mühle bei Familie Unsöld

Vor den Toren Herrenbergs, fast direkt an der Autobahn Stuttgart-Singen, liegt die Gültsteiner Mühle der Famile Unsöld. Schaut das Anwesen nicht fast märchenhaft aus? Es gibt sogar einen Mühlenbach! Für mich aber vor allem spannend: Es gibt einen Mühlenladen mit engagierten, offenen und sehr freundlichen Müllersleuten!

Was genau führte uns nun dort hin?

Mein Schweizer hatte sich schon lange Ruchbrot gewünscht, wie er es aus seiner alten Heimat kennt. Das brachte mich ehrlich gesagt ein wenig ins Grübeln. Ich backe viel und oft Brot, aber was bitte ist denn ein Ruch? Der, die, das Ruch? Tatsächlich hatte ich, in Schwaben geboren und praktisch mit Brezel, Hörnle und Gnetztem Brot aufgewachsen, vorher nie etwas von Ruchmehl gehört. Als dann noch der Wildbaker Jörg Schmid bei einer Backveranstaltung von Schweizer Ruchmehl schwärmte, war uns eigentlich klar, das gehen wir jetzt suchen, und wenn es in der Schweiz sein müßte!

Dass wir gar nicht so weit gehen müssen, ist wiederum der jounalistischen Neugier meines Schweizers geschuldet: Tatsächlich hat er nämlich nach kurzer Recherche die Mühle der Familie Unsöld, keine 70km von unserem Zuhause entfernt, entdeckt! Und Müller Unsöld hat neben anderen hervorragenden Mehlen und Mühlenprodukten auch Ruchmehl in seinem Angebot! Übrigens als einer von nur ganz wenigen Müllern in Deutschland.

Also, was genau ist denn nun Ruchmehl? Herr Unsöld erklärte es uns so: Ruchmehl, aus Weizen oder Dinkel gemahlen, enthält noch einen Teil der äusseren Schalenschicht, und damit mehr Eiweiss, Mineralstoffe und Vitamine aus der Randschicht des Korns. Die ganz äussere Schicht aber, die die Schadstoffe aus der Umwelt enthält, ist entfernt.

Ruchmehl ist durch seine hohe Ausmahlung sehr würzig und etwas dunkler. Frau Unsöld backt daraus Brötchen und Brot und hat die Rezepte auf der Homepage der Mühle festgehalten. Klickt mal hin!

Während ich das hier schreibe, ruht übrigens schon der Vorteig für Gäuguette, einem schwäbischen Baguette aus einer extra von Familie Unsöld dafür entwickelten Mehlmischung, in meiner Küche. Das Rezept findet ihr hier: Klick!

Frau Unsöld entwickelt selbst Rezepte für Gebäck aus ihren Mehlen. Momentan gezielt für die Weihnachtszeit. 

Schaut mal, der Weihnachtstisch mit allem, was für die Guetsle und Bredle (Plätzchen, für die Nichtschwaben unter Euch) nötig ist, steht auch schon im Mühlenladen!

Selbst gebacken schmecken sie besser, und Ihr wisst dann wenigstens, was drin ist.

Die Gültsteiner Mühle arbeitet selbstverständlich mit Getreiden aus integriertem und kontrollierten, regionalen  Anbau.

Neben den Getreideprodukten stehen Euch im Mühlenladen eine Menge Trockenfrüchte, Gewürze, Kaffee, kaltgepresstes Rapsöl aus mühleneigener Herstellung, Backhilfen, und vieles mehr zur Auswahl!

Auch und gerade für Allergiker lohnt der Weg zum Mühlenladen. Glutenfreie Mehle und Produkte findet ihr ebenso, wie verschiedenste Flocken für die Müsli-Freunde unter Euch.

Dass die Müllersleute wissen, was sie tun, und gerne Auskunft und Hilfe geben, muss man wohl nicht erst erwähnen: Ein Blick auf die Tafel links zeigt, hier findet man knapp 900 Jahre gesammeltes Fachwissen, davon allein 200 Jahre und sechs Generationen der jetzigen Müllersfamilie.

 

 

Fahrt mal hin und schaut Euch um! Aus logistischen Gründen gibt es keinen Versand, aber glaubt mir, der Besuch lohnt sich schon allein wegen der tollen Rezepte von Frau Unsöld, und wegen dem Blick in die Mühle. Ach, das habe ich ja gar nicht erwähnt: Schon wenn man sich dem Mühlenladen nähert, spürt man das leichte Vibrieren des Mahlwerkes, das sich immer mehr steigert, je näher man kommt! Und das Beste: Der Mühlenladen ist nur durch Glas von der Produktion getrennt. Also für alle Eltern von Kindern, die denken, dass Kühe lila sind und das Brot im Supermarkt wächst: Fahrt hin, und zeigt ihnen, wie aus Schrot und Korn Mehl und Brot werden, und unterstützt damit kleine, handwerkliche Betriebe, denn wir können froh sein, dass es die bei uns noch gibt!

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