Cervelat - eine Liebesgeschichte

Gibt es Gerichte oder Lebensmittel aus Eurer Jugend, die Euch ein Leben lang begleiten?

Also in meinem Fall ist das etwas Urschwäbisches: Ohne Laugenbrezeln und Laugenbrötchen würde mir wirklich etwas fehlen.

Nun, ich lebe im Laugenbrezelwunderland. Man kann kaum umfallen, ohne vor einem Bäcker zu landen, der die Dinger den ganzen Tag frisch gebacken und noch warm anbietet.

 

Anders beim Kindheits-Lieblingsessen meines Schweizers: Cervelat!

Die einzig wahre, wirkliche Wurst, wenn man ihm glauben darf.  Das Prekäre daran: Bis vor Kurzem gab es die in ganz Deutschland nicht zu kaufen!

Cervelat ist die Schweizer Nationalwurst. Kein Schulausflug, keine Grillparty, kein Nationalfeiertag ohne dieses Meisterwerk der Metzgerkunst. 1891 wurde der Cervelat (Ja richtig! DER Cervelat! Mal mit, mal ohne T geschrieben.) das erste Mal am Schweizer Nationalfeiertag urkundlich erwähnt. Ursprünglich eine Mischung aus Fleisch und Schweinehirn, besteht die Wurstmasse heute zu gleichen Teilen aus Schwein, Rind, Speck und Eis. Hinzu kommen Gewürze und Pökelsalz, und das alles landet dann in einem Rinderdünndarm, meist uruguayischen, argentinischen oder paraguayischen Ursprungs. Vor einigen Jahren gab es einen Lieferengpaß aus Südamerika, und die Angst ging um, es könnte zu einer Cervelatkrise kommen. Glücklicherweise gibt es sie noch immer. Nur eben nicht bei uns in Deutschland käuflich zu erwerben.

Letztlich wird der Cervelat geräuchert und gebrüht, um dann in den typischen Doppelpäckchen zu landen. Gegessen wird er dann gerne gegrillt, gebrüht, als Wurst- Verzeihung! als Cervelatsalat, oder, wie bei uns im Haus, einfach kalt und sofort, wenn das ersehnte Paket bei uns ankommt.

Ich weiß von Schwaben, die sich seit Jahren von Mama Carepakete mit Laugenbrezeln zu ihren neuen Wohnsitzen überall auf der Welt nachschicken lassen, weil es die eben nicht überall gibt, und die Sehnsucht groß ist.

So ähnlich ist es mit Cervelats.

Wir haben jahrelang, und ich meine wirklich, viele Jahre lang, Brühwürste in ganz Deutschland probiert. Also, nicht ich, ich stehe ja wie erwähnt eher auf Gebäck, aber eben, Ihr wißt schon: Der Schweizer halt!

Einige Zeit gab es in unserer Nähe einen Supermarkt schweizerischen Ursprungs, der neben anderen Spezialitäten eben die gesuchte Wunderwurst auf Lager hatte. Nur hat der sich leider vor einigen Jahren aus Deutschland zurückgezogen. Jener Supermarkt bietet für Deutschland einen Onlineshop an. Ratet mal, was sie nicht liefern!

Klar, fahren wir ab und an in die Schweiz...aber nicht so oft, wie bei meinem Schweizer die Lust auf Cervelat aufkommt. Wir waren schon in Frankreich und haben die dortigen Cervelats gekauft: Anscheinend kein Vergleich. Ich habe sogar die produzierende Schweizer Firma und diverse Handelsketten in der Schweiz angeschrieben. Sie liefern nicht. Zu viel Aufwand mit Zoll und Bürokratie. Wir haben überlegt, befreundete Fleischer in Deutschland zu beauftragen, aber die verstanden immer Salami.

Dann, nach vielen Jahren Cervelat-Notstand, kam die Rettung. Eines schönen Tages habe ich bei meinen virtuellen Wurstrecherchen dies entdeckt:

Chuchichäschtli!

Ein kleines Stückchen Schweiz, mitten in Berlin.

Klickt mal aufs Logo, dann kommt Ihr direkt hin! Matthias und Chris, zwei Schweizer in der Fremde, sprich in Berlin Wilmersdorf, sind ausgezogen, Schweizer Genuß nach Deutschland zu bringen. Uuuuuund damit die Rettung: Sie haben, neben vielen anderen tollen Sachen, Cervelats in ihrem Angebot. Und das Beste: Sie liefern auch! Als einzige in ganz Deutschland!

Freude herrschte, als das erste Paket pünktlich zu Weihnachten 2015 bei uns ankam. Gut gekühlt, und schnell aufgefuttert!

 

Die Odyssee der armen kleinen Cervelats:

Einmal Lenzburg/Schweiz via Berlin nach Nürtingen/Schwabilon!

 

Juhu, und Mitte dieser Woche kam eine weitere Lieferung bei uns an! Chuchichäschtli sei Dank!

 

Eigentlich wollte ich ja gerne ein Rezept mit Cervelat basteln.

Andererseits, habe ich ja nun schon meinen (nicht ganz so geheimen) Geheimtipp preisgegeben, und alle Exilschweizer auf Cervelat-Entzug in ganz Deutschland damit gerettet. 

Und weil ich ein guter Mensch bin, finden hier noch alle Exilschwaben eine einfache Anleitung, Laugengebäck daheim herzustellen. Klick!

 

 

Genug der guten Taten! Ich zeig Euch jetzt einfach noch das Schicksal der armen kleinen Cervelats:  

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