Die einen haben sich schon gefragt, warum ich auf einmal Gerichte poste, die bei uns daheim mir und nur mir schmecken. Knödel und Sachen mit Erbsen und so.
Die Nachbarn haben sich und ganz unauffällig auch mich - subtil, Ihr Lieben, subtil - gefragt, ob der Gatte wohl nicht mehr in der zimtkringel-Weltzentrale weilen möge.
Und dann gibt es noch die anderen, die vermutet haben, nun hätte er lange genug seltsame Sachen essen müssen und sich endlich ein Pause von der bösen Bloggerküche verdient.
Nu isser wieder da!
Am Bodensee war er. Kurend.
Der Kuraufenthalt ist beendet und er hat, wie versprochen, sogar ein paar nette Rezepte mitgebracht. Eines der mitgebrachten Rezepte sind Mediterrane Bircher Kartoffeln. Sie gehen tatsächlich auf den Schweizer Arzt und Ernährungsreformer Maximilian Oskar Bircher-Benner zurück. Ja, das ist der mit dem Bircher-Müsli.
Ehe wir uns aber ans einfache Rezept machen, könnt Ihr hier lesen, wie es Thomas in den letzten Wochen so ergangen ist.
Thomas ist bei meiner Bloggerei meistens beteiligt und wenn es nur essend ist, meist aber beratend und oft genug auch schreibend und manchmal selbst kochend. Wenn er schreibt, kennzeichne ich das in einer anderen Farbe. Blau. Ich sag´s nur.
Manchmal kann ich mir kleine Anmerkungen nicht verkneifen, erkennbar an der üblichen Textfarbe. Hey, ist ja schließlich mein Blog. Lest einfach weiter, dann merkt Ihr schon, wer gerade erzählt. Ich bin zuversichtlich, das schafft Ihr!
Hier schreibt nun also Thomas aka Herrn zimtkringel:
Wenn einer eine Reha tut, kann er Kalorien zählen
Wie kann man die eigene Wohlfühlzone angenehmer gestalten, wenn die Gesundheit was dagegen hat? Genau – man muss aus der Wohlfühlzone ausbrechen und den gemütlichen, angenehmen und gewohnten Trott verlassen, um sich neu zu fokussieren und um Ziele in greifbare Nähe zu bringen. Vor allem, wenn die Blutzuckerwerte nicht der Norm entsprechen und die leicht adipösen Züge den Körper verformen. Was könnte dafür besser geeignet sein als eine Rehabilitation, wo man dem gewohnten Umfeld und Alltag entflieht. Und – welcher Ort für die temporäre Ausflucht könnte besser geeignet sein als Überlingen am Bodensee, genauer gesagt, die Kurpark-Klinik an der Gällerstraße.
Die gut zweistündige Anreise ans Schwäbische Meer erfolgte mit gemischten Gefühlen und offenen Fragen: Was erwartet mich dort? Wie kann sich mein Gesundheitszustand verbessern, wenn überhaupt? Was für Menschen treffe ich dort?
Und ganz wichtig: Gibt es eine Raucherecke?
Der Reihe nach: Ja, es gibt eine Raucherecke, viel mehr ein Plätzchen in Form einer kleinen überdachten Bushaltestelle mit drei Sitzplätzen obwohl meistens bis zu 7 rauchende Lungen anzutreffen waren. Wie bei der Reise nach Jerusalem wurden die freien Plätze auf den weißen Kunststoffgartenstühlen zeitweise getauscht. Jede rauchende Person weiß: Den Glimmstängel sitzend zu genießen, ist angenehmer als rumzustehen. Aber, wir wollen die Raucherei nicht verherrlichen und schon gar nicht den Eindruck erwecken, die Kurpark-Klinik in Überlingen fördere den Zigarettengenuss. Dafür war in besagter Ecke ein Sticker mit dem Hinweis „aufhören“ angebracht. Die Frage nach den Menschen vor Ort ergibt sich durch die Raucherecke von selbst.
Man trifft dort nämlich immer wieder die gleichen Leute und die beiden meistgehörten Wörter waren: „Bis später!“.
Das war nicht nur ein daher gesagtes Bonmot, sondern ein Versprechen. Und genau durch diese süchtelnde Gemeinsamkeit ergaben sich Bekanntschaften, die zumindest für die Dauer der Rehabilitation nützliche Unterstützung waren und einem den Aufenthalt in Überlingen kurzweilig und angenehm erscheinen ließen.
Kleiner Einschub. Die Geschichte ist länger und ich kenne sie schon. Zum Rauchen sage ich besser nix.
Deshalb geh ich mal in die Küche und suche die Zutaten für die Kartoffeln für zwei bis drei Hungrige zusammen:
750g schöne, festkochende Kartoffeln
je ein paar Zweige Rosmarin, Thymian und Basilikum - bei mir eher kümmerlich, weil jedes Kraut auf meinem Fensterbrett unweigerlich dem
Tode geweiht ist
3 Knoblauchzehen
Salz und Pfeffer
3 EL Öl
Während ich mich um den Lauchsalat als Beilage zu den Kartoffeln kümmere, geht es bei Thomas weiter.
Übrigens, nicht schlecht am See, oder? Man kann fiesere Kurorte finden. Aber weiter im Text: Interessant waren dabei die Heimatorte der „Insassen“, während eine Reha-Gästin aus Berlin angereist war, gab es Leute, die nicht weit weg von Überlingen wohnen. Dann gab es die, die mit dem Motorroller aus Stuttgart anreisen oder mit dem Zug aus Verl, aber auch die mit PKW-Anreise aus der Schwarzwaldregion. Clever war es auch, das Motorrad per Anhänger aus Limburg an der Lahn nach Überlingen bringen zu lassen. Die Flexibilität stieg dadurch enorm. Ob Jasmin, Jessy, Dennis, Dirk, Hakan oder Marcel und Mike, alle haben ihre eigene Lebensgeschichte und waren aus unterschiedlichen Gründen in der Kurpark-Klinik und doch verband sie während der Reha ein Thema: Kilos und Kalorien. Und Essen! Viele hatten den sogenannten „blauen Punkt“ auf der persönlichen Tischserviette und das bedeutete 1.200 Kalorien pro Tag. Einige haben sich sogar dem Heilfasten nach Buchinger verschrieben und damit für mehrere Tage auf so ziemlich alles verzichtet. Morgens Tee mit Honig und Zitronen- oder Limettenschnitz, mittags Suppe, die eher einer Brühe glich und abends Fruchtsaft, so lautete die Fasten-Menükarte. Da waren das Fastenbrechen mit zwei Bodenseeäpfeln mittags sowie die Aufbautage ein Hochgenuss. Bei den meisten war der Erfolg mittels Waage messbar und rein äußerlich sichtbar, auch wenn einige wenige sich über mentale Defizite und mangelnde Energie beklagten. Es war naheliegend, dass die Raucherecken-Gespräche fast zu 100 Prozent das Essen thematisierten. Aber geteiltes Leid ist halbes Leid und aus den anfänglich flüchtigen Bekanntschaften bildete sich eine eingeschworene Leidensgemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützte und Mut zusprach und jeden Erfolg feierte. Manchmal sogar mit dem berühmten Dennis‘schen „Uiuiuiii“ aus der Sesamstraße. Humor muss sein, und wenn man nicht alles mit verbissener Ernsthaftigkeit sieht, hilft das bei der Beseitigung überflüssiger Kilos enorm weiter. Man könnte sogar behaupten, man kann mit Spaß abnehmen. Schnell verfliegt in der Gemeinschaft der Clique die leidende Miene und überlässt einem – wenn oft auch gequälten – Lächeln den Platz.
An dieser Stelle will ich mal einfügen, dass mich der Herr zimtkringel selten so oft nach Rezepten und Kochtipps gefragt hat, wie in den letzten drei Wochen. Nicht zuletzt entstand so auch der Artikel zum Wurstsalat, der nicht geplant aber natürlich gerne gebastelt und trotz dichtem Blogkalender dazwischen geschoben wurde. Ich gebe zu, beim Wurst- und Gürkchenschnibbeln musste ich bei dem Gedanken an dem zu jenem Zeitpunkt fastenden Gatten und seine leidenden Fastenkollegen schon lächeln.
Apropos Qual: Das Anwendungsprogramm der Klinik war abwechslungsreich, manchmal hart, aber immer ein wenig wohltuend, auch wenn einigen Patienten der Kneippguss morgens um 6 Uhr dann doch ein wenig früh erschien. Andere witzelten, da sei „mann“ wenigstens wach für den Tag. Es gab beliebtere und weniger beliebte Anwendungen.
Aber in einem waren sich die Gäste einig: Das Therapeuten-Team war der Hammer! Einfach freundlich, hilfsbereit und immer motiviert und gut drauf!
Daher ein spezieller Dank an das Team!
Für viele mag das reduzierten und sehr gesunde Essen eine Qual gewesen sein. Logisch: Der Körper lechzt nach unbegrenzten Kalorien und bekommt plötzlich nur noch 1200 oder weniger. Da war zum Teil Rebellion angesagt, die durch das kraut- und gemüsehaltige Essen zusätzlich gasförmig befeuert wurde. Tja, und dann das reichhaltige Salatbuffet, mittags und abends. In den ersten paar Tagen freute man sich noch auf die Vorspeise, aber irgendwann, gefühlt nach 10 Tagen verwandelte sich die Vorfreude in Abneigung.
Man konnte den Salat nicht mehr sehen – weil er einem zum Teil aus den Ohren rauswuchs, wollte auf ihn verzichten.
Noch ein kleiner Einschub. Das ist hier schließlich ein Foodblog und wenn die Kartoffeln nicht bald in den Ofen kommen, dauert das mit dem Abendessen zu lang. Ich sag auch nicht viel, denn das Rezept braucht nicht viele Worte:
- Backofen auf 180° Umluft vorheizen, Backblech mit Backpapier oder Dauerbackfolie belegen
- Kartoffeln gründlich waschen und abtrocknen
- Kräuter waschen, trocken schütteln, Rosmarinnadeln und Thymianblättchen von den Stielen zupfen, Knoblauch schälen und alles zusammen mit dem Basilikum grob hacken
- Kartoffeln der Länge nach halbieren
- Kräuter, Öl, Knoblauch, Salz und Pfeffer mit den Kartoffeln mischen
- Kartoffeln mit Schnittfläche nach unten aufs Blech legen, restliches Kräuteröl darauf verteilen
- ca. 30 Minuten im Backofen garen
Einige, so deren Aussage, wollen nach der Rückkehr aus der Rehabilitation zumindest für einige Tage „freiwillig“ auf Salat verzichten. Wer weiß, ob mehr Abwechslung beim Salatbuffet der Klinik hätte Abhilfe gegen die Abneigung schaffen können? Die Hauptmahlzeiten waren ausgewogen und sorgten immer mal wieder für Überraschungen. Überwiegend positiv.
Danke an die Küchenmannschaft für den Einsatz am Herd und danke an das sehr freundliche Service-Personal.
Erfolg lässt sich messen. Bei einigen zählten die verlorenen Pfunde und Kilos, bei andern sorgte die Regulierung beim Blutzucker für Freude, wenn die gemessenen Werte weder zu hoch noch zu niedrig waren. Egal wie, in irgendeiner Form haben die Gäste der Kurpark-Klinik jeder für sich einen Erfolg zu verzeichnen und zumindest die Erfahrung gesammelt, neue Bekanntschaften gemacht zu haben.
Ob diese halten und in Erinnerung bleiben, liegt letztlich an jedem Menschen selbst, genauso wie künftig auf die eigene Gesundheit geachtet wird.
Fazit: Die Rehabilitationszeit hat mit einigen wenigen Abstrichen überwiegend positive Aspekte hinterlassen und der Aufenthalt in der Kurpark-Klinik in Überlingen am Bodensee ist durchaus empfehlenswert.
So, Kurbericht Ende. Jetzt wird gegessen!

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