Biltong zur kulinarischen Weltreise

Die kulinarische Weltreise geht weiter und macht diesmal Station in Südafrika.

 

Hm, was könnte ich da wohl rezepttechnisch beitragen? Kurz war ich versucht, eine Melktert zu backen, aber ein kurzer Blick auf die Teilnehmerliste zeigte, dass die schon dabei ist.

Mehr fiel mir aber auf Anhieb nicht ein, ausser natürlich Braai, aber für so eine richtige große Grillsession fehlt uns momentan die Feuerstelle.

 

Also gut, dann halt etwas, was es hier schon in Variationen auf dem Blog gibt: Ich mache Dörrfleisch! Und zwar sehr zur Freude des Gatten. Der liebt das nämlich. Heute also mal nicht Jerky, das Ihr im Übrigen hier und hier schon finden könnt, sondern die südafrikanische Variante Biltong.

 

So, was ist nun der grundlegende Unterschied zwischen Biltong und Jerky? Jerky wird für gewöhnlich etwas dünner geschnitten und mit mehr Zucker und auch Zusatzstoffen versetzt. Zumindest, wenn man von der US-amerikanischen, heute sehr kommerzialisierten Variante ausgeht. In Südafrika werden neben dem hier genutzten Rind noch eine Menge einheimischer Fleischarten, wie Strauß, Kudu, Springbock, Eland oder Gemsbock genutzt. Alles in allem ist die Südafrikanische Variante wohl die naturbelassenere und deutlich gewürzlastigere. Vor allem Koriander ist eine tragende Aromakomponente.

Spannend ist natürlich auch, was die anderen so mit Südafrika in Verbindung bringen. Guckt doch mal hier:


Wir bleiben bei Rind, wenn´s recht ist. Ich nutze sogar die Faulpelzmethode und habe mir vom Metzger des Vertrauens Minutensteaks schneiden lassen. So muss ich weder Sehnen und Fett entfernen, noch große Mühe aufs Schneiden verwenden. Ausserdem legen wir statt in Salpeter, das sich in den Originalquellen findet, in Pökelsalz ein. Und wer das auch nicht zur Hand hat - und mal ehrlich, wer ausser mir Küchenfreak hat das schon? -, weicht einfach auf stinknormales Speisesalz aus. Plus, da mir hier die Südafrikanische Sonne fehlt und ich auch keine Lust habe, mir eine Biltongbox zu bauen, mehr noch, weil ich für Lufttrocknung deutlich zu ungeduldig bin, kommt mein Fleisch in den Dörrer.

Zutaten für 4 Etagen des Dörrgerätes:

 

1,2 kg Rindfleisch, hier Minutensteaks

2 TL grobes Salz

1 TL Pökelsalz (kann weg gelassen werden)

2 EL brauner Zucker

1 TL Korianderkörner

1 TL schwarze Pfefferkörner

1 TL grüne Pfefferkörner

1 TL Knoblauchpulver

1/2 TL Paprikaflocken

2 EL Ketjap Manis

70ml Malzessig

  • Fleisch von Fett und Sehnen befreien in ca. 2cm breite, 5cm lange Streifen schneiden (eigentlich mit der Faser, die Erfahrung hat uns aber gelehrt, dass es sich deutlich besser kauen läßt, wenn man gegen die Faser schneidet- da ich hier Minutensteaks verwende, ist das aber eh gegeben)
  • Würzzutaten mörsernd und mischen
  • Fleisch mit der Marinade sorgfältig einreiben und in einer verschließbaren Schüssel oder einer Ziplock-Tüte kalt stellen
  • mindestens 8 Stunden, je länger, je lieber, im Kühlschrank lagern und dabei immer mal wieder umschichten  und die Marinade dabei einarbeiten (hier diesmal 30 Stunden im Kühlschrank mit dreimal Umschichten)
  • nun recht dicht, aber nicht überlappend in die Etagen des Dörrautomaten legen (wer im Backofen dörrt, hängt die Fleischstreifen über die Gitter des Grillrostes)
  • auf Stufe 3 des Dörrers (das sind bei meinem Gerät 60° über Umgebungstemperatur) 2 Stunden trocknen, dann einmal wenden und weitere 2 Stunden anhängen

Fertig ist das Biltong, wenn es krachtrocken ist und beim Essen fast schon splittert.

 

Für Menschen, die es nicht kennen, ist Dörrfleisch wohl erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig. Von Vegetariern rede ich besser mal nicht, aber glaubt mir, es besteht durchaus Suchtgefahr!

 

Übrigens: Nicht vergessen, dazu viel zu trinken, sonst droht ein Kater.

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Kommentare: 10
  • #1

    Franziska (Donnerstag, 18 April 2019 19:30)

    Liebe Simone,

    von Trockenfleisch habe ich so gar keine Ahnung, bei dir tät ich es probieren! Sagt die, die erst mal jahrelang Ovolactovegetarier war und heute fast jedes Angebot zur Ungarischen Salami abgreift, das sie kriegen kann. Lach.
    Also, wenn man sich dein Sortiment so anschaut...wie groß war eure Küche nochmal?

    Du kommst hoffentlich gut ins Osterwochenende! Samstag vermutlich noch mal unter Kunden und zum letzten Schliff (oder "Hilfe-ich/ wir- habe(n)-was-vergessen-Geschenk!"-Verkauf) antreten?

    Einen guten Start in den Karfreitag mit hoffentlich so viel Sonnenschein wie hier, den wünsch ich dir!

    Liebe Grüße
    Franziska

  • #2

    Simone von zimtkringel (Donnerstag, 18 April 2019 19:58)

    Hach Franziska, das ehrt mich! Es gibt Menschen, die würden never ever Trockenfleisch essen und die sind eingefleischte (huch, unbeabsichtigtes Wortspiel) Fleischfresser!
    Ja, Ostersamstag darf ich nochmal ein wenig Buchhändlern. Und ein paar kleine Rezeptchen hab ich auch schon im Kopf.
    Dir wünsch ich jedenfalls ein wundervolles langes Wochenende! Vielleicht mit ein bis drei Rädchen Salami!
    Liebe Ostergrüße
    Simone

  • #3

    Britta Koch (Freitag, 19 April 2019 08:47)

    Das klingt aber mal sehr interessant. Und Du wirst es nicht glauben: Ich habe Pökelsalz, weil ich mal gekochten Schinken selber gemacht habe. ;-)

    Dein Knabberfleischrezept kommt auf jeden Fall mal in die nähere Nachkochliste.

    Schöne Ostertage und liebe Grüße

    Britta

  • #4

    Franziska (Freitag, 19 April 2019)

    Ganz schlimm, deine Wortspiele! *scheppernd anlache* Behalt diesen Zug bloß bei!! Da ziehen sich die Mundwinkel hoch!

    *anlach* Wenn man unterwegs ist und ausreichend zu Trinken dabei hat, why not! Ich kenne es nur eben nicht, und das, wo meine Eltern viel selbst gemacht hatten. Dörrfleisch gehörte nicht dazu. Vielleicht hatte Paps bei der Bundeswehr mal damit zu tun, daheim ist er - wie wir jetzt dank deinen Leberspätzle wissen, und den Kutteln und den Hühnerherzen - geflüchtet.

    Ich wünsche dir einen angenehmen Karfreitag, meine Inspiratorin, und einen guten Start in den Samstag! Laß dich ja nicht auffressen von den Kunden!

    Liebe Ostergrüße meinerseits,
    Franziska

  • #5

    Gabi (Dienstag, 23 April 2019 20:46)

    Super, jetzt habe ich ein Rezept, freu! Ich war nämlich gerade drei Wochen in Südafrika und Biltong hatten wir immer als Snack für lange Fahrten im Gepäck!

  • #6

    Simone von zimtkringel (Dienstag, 23 April 2019 21:12)

    Hallöle Gabi,
    ich hab´s gelesen und schon gedacht, dass du diesmal die kulinarische Weltreise im Original hast. Wie cool!
    Liebe Grüße
    Simone

  • #7

    Petra aka Cascabel (Mittwoch, 24 April 2019 10:27)

    Klasse, mit so etwas könnte ich hier punkten! Wobei ich die Herstellung wahrscheinlich dem Mann im Haus überlassen würde, der ist eher für Wursten, Trocknen, Räuchern zuständig. Danke für's Ausprobieren!

  • #8

    Tina von Küchenmomente (Mittwoch, 24 April 2019 11:31)

    Hallo Simone,
    ich bin die mit der Melktert ;-) ...
    ...und die die sich outet noch nie Trockenfleisch probiert zu haben. Keine Ahnung warum, wahrscheinlich weil ich dann gar nicht mehr aufhöre daran zu knabbern!
    Wenn ich das so sehe, würde ich ja schon gerne mal probieren.
    Liebe Grüße
    Tina

  • #9

    Volker (Mittwoch, 24 April 2019 15:39)

    Hallo Simone,

    schön das Du Biltong gemacht hast. Eine der Speisen die man absolut mit Südafrika verbindet so das ich froh bin, dass wir ein tolles Rezept dabei haben.

    LG Volker

  • #10

    Britta von Backmaedchen 1967 (Mittwoch, 24 April 2019 20:58)

    Hallo Simone,

    also ich gehöre auch zu denen, die noch nie Dörrfleisch gegessen haben... ich denke immer wenn ich Dörrfleisch höre muss man gute Zähne haben und man kaut ewig darauf herum, wenn ich deins so sehe würde ich auf der Stelle gerne mal ein Stück davon probieren und mich davon überzeugen ob ich da richtig oder falsch liege.


    Liebe Grüße
    Britta