Hefezopf und die leidige Frage nach den Rosinen

Ich weiß nicht, ob Ihr es wußtet, aber in meinem Umfeld läuft ein immerwährender kulinarischer Glaubenskrieg.

Die allumfassende und nie genug ausdiskutierte Frage lautet: Rosinen, ja oder nein? (Spürt Ihr an der Stelle, wie ich die Augen verdrehe?)

Zu meinem recht großen Erstaunen ist das nicht nur eine Macke der Menschen, die ich kenne, nein, wie es scheint, spaltet das Thema die Nation.

Vielleicht gar die Welt?

 

Hier in Schwaben kommt die große R-Frage immer dann ins Spiel, wenn sich a) der heilige Käsekuchen ankündigt, oder b) eine Beerdigung ansteht.

Hört sich komisch an? Ist aber so! Das gängige Kaffeegebäck zur Beerdigung, wie auch zu vielen anderen Gelegenheiten, ist und bleibt hier nämlich neben der Brezel der von allen geliebte Hefezopf.

Und dabei dann halt die Frage: Mit oder ohne Zibenen? Ja, hier auf dem Land sagen wir Zibeben!... zumindest Menschen, die so uralt sind, wie ich. Besagte Zibebe hat es sogar in die Schimpfkultur geschafft. Ein liebevoll milder Tadel für eine törichte, meist weibliche Person lautet "Bisch a Zibeb!" Hmpf....

Sogar die Regionalzeitung beschäftigt sich momentan mit der Rosine. Es gibt nämlich einen Tag der selbigen.

Ja. Gibt es. Ja. Ich staune auch.

 

Huiiii. so ein Zufall, genau am heutigen Tag, dem 30.04. wird der mehr oder weniger gefeiert!

 

Na, da wundern wir uns aber gell?

Nein, nicht wirklich.

 

Der Gatte, Journalist von Beruf, hat mich gebeten, für ihn eine Fotomotiv mit Rosinen zu basteln. Und ich wiederum hab mich entschlossen, einen schnellen Schwäbischen Hefezopf zu backen.

 

MIT ROSINEN!

Und hier isser nun:

Schwäbisch wäre an der Stelle auch fast wieder diskussionswürdig, gibt es doch zig garantiert originale, einzig wahre Originalrezepte. Weil ich immer ein wenig in Eile bin, spare ich mir zum Beispiel den traditionellen Weg mit Hefevorteig und Trallalla. Stattdessen bastle ich meinen süßen Hefeteig seit Jahren nach einer zeitsparenden Variante, die trotzdem monstermäßig gut aufgeht. Hier die Zutaten für einen wirklich großen Zopf:

500g Weizenmehl Type 550 + etwas mehr zum Arbeiten

20g Frischhefe

1 Ei

250ml lauwarme Milch

75g Zucker

1 Prise Salz

1 Ei

Schale von 1/2 Zitrone

80g weiche Butter

80g Rosinen

2 EL Rum

 

und zum Bestreichen

1 Eigelb

je 1 Prise Salz und Zucker

2 EL Milch

Hagelzucker oder Mandelblättchen


  • Rosinen im Rum einlegen - gerne auch schon am Vortag
  • Hefe und Zucker in die lauwarme Milch einrühren und ein wenig stehen lassen
  • mittlerweile das Mehl in die Schüssel der Küchenmaschine geben, Salz und Zitronenschale zufügen und alles trocken mit einem Schneebesen durchrühren, damit sich etwaige Klümpchen lösen und das Mehl luftiger wird - ausserdem bin ich meist zu bequem, das Mehl zu sieben
  • Ei zur Hefemilch geben und ebenfalls mit dem Schneebesen kräfig durchmischen
  • Butterund Hefemilch zum Mehl in die Rührschüssel geben und erst ein paar Minuten auf niedriger Stufe mischen, dann ca. 10 Minuten auf mittlerer Stufe kräftig kneten lassen
  • wenn der Hefeteig elastisch ist und sich von der Schüsselrand löst, die abgetropften Rosinen unterkneten
  • Teigschüssel mit einem feuchten Tuch bedecken und an einem warmen Ort stellen - ich nutze den auf 20° eingestellten Umluftofen -> eine Stunde, oder bis sich das Teigvolumen mindestens verdoppelt hat, gehen lassen
  • aufgegangenen Teig auf eine schwach bemehlte Fläche kippen
  • in drei gleich Teile teilen und diese zu langen Strängen rollen, die jeweils an den Enden dünner zulaufen sollen
  • zu einem Zopf flechten, dabei die Zopfenden gut zusammen drücken und unter den Zopf schlagen
  • auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen - am besten quer, denn der Zopf wird recht groß
  • Eigelb mit der Milch, wenig Salz und Zucker verquirlen und den Zopf damit bestreichen
  • noch einmal 30 Minuten gehen lassen
  • Backofen auf 170° Umluft vorheizen
  • Zopf ein zweites Mal mit der restlichen Eiermilch bestreichen, dann mit Hagelzucker und/oder Mandelblättchen bestreuen
  • Zopf 30 bis 40 Minuten goldbraun backen, er ist fertig, wenn er sich hohl anhört, wenn man auf den Boden klopft - falls er zu schnell zu dunkel wird, einfach mit Alufolie abdecken und weiter backen
  • auf einem Kuchengitter abkühlen lassen +
  • und genießen!

Ich mag den Hefezopf übrigens gerne mit Butter und Honig, was den Gatten davon rennen läßt. Besser noch, ich tunke gerne eine dicke Scheibe Zopf in Milchkaffee. Das wiederum wiederum ruft bei meiner Mutter einen Würgereiz hervor. Vor allem, wenn sich nachher noch sichtbare Krümel oder gar Rosinen in der Tasse finden.

Hefezopf und Rosinen sind bei uns Glaubenssache!

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Kommentare: 1
  • #1

    Barbara (Sonntag, 02 Mai 2021 16:48)

    Für mich ist der schwäbische Hefezopf ohne Zibeba kein richtiger Hefezopf. ;-)

    Aber den Glaubenskrieg kenne ich auch. Auf den meisten Tellern liegen am Ende des Kaffeetrinkens dann sorgfältig rausgepulte Rosinen...