Hab ich schon erwähnt, dass ich die Königin des Dippens bin?
Ja, ja, ich weiß, ich wiederhole mich. Aber ich mag halt Sößchen und Dips unheimlich gerne.
Wahrscheinlich kommt da mein Hang zum schlampigen Essen durch. Ich finde es extrem entspannend, im Sessel zu sitzen, True Crime zu gucken und dabei knuspriges Brot in leckere Sauce zu tunken.
Die Freuden fortgeschrittenen Lebens, wie mir scheint.
Andere erleben Abenteuer, ich dippe. Immerhin erlebe ich Abenteuer ohne Ende, wenn ich versuche, die beim Dippen entstandenen Saucenflecken wieder aus den Shirts zu bekommen.
Heute lebe ich noch dazu die Gefahr. Nervenkitzel pur. Ich bastle Raita mit Roter Beete. Hu, Danger! Die Flecken gehen garantiert nicht raus. Aber ich hab das Rezept schon so lange in einem englischen Foodblättchen gesehen und ich musste es jetzt einfach testen. Wow, was für eine Farbe!
Raita ist eine Beilage mit Jogurt und Früchten oder Gemüse, die in der indischen Küche oft als Gegenmittel zu scharfen Gerichten gereicht wird.
Hier gibt es auch schon eine Variante mit Gurke und Granatapfel und auch das türkische Cacık geht in eine ähnliche Richtung. Nun also eine Variante mit Roter Beete. Für ca. 3 Portionen:
2 mittlere rote Beete, hier in der rohen Variante, Ihr könnt auch die vorgegarten nehmen, dann fehlt allerdings ein wenig das Aroma des spicy Suds
ca. 3 cm frischer Ingwer
1/2 TL Salz
1/2 grüner, gelber oder roter Chili, frisch
400g Naturjoghurt
1 kräftige Prise gemahlener Kreuzkümmel
Chiliflocken
falls Ihr die bekommt, einige Curryblätter, sonst lasst Ihr sie einfach weg
2 EL neutrales Öl
Schaut Euch nur mal diesen wundervollen - ok, mittlerweile leicht verwelkten, aber noch immer extrem aromatischen Zweig mit Curryblättern an!
Ich hatte Glück und habe sie beim letzten Einkauf im Indischen Markt in Nürtingen erwischt. Übrigens schmecken Curry Leaves NICHT nach Curry. Was bei uns unter Currypulver läuft, ist für gewöhnlich eine Mischung verschiedener gemahlener Gewürze mit einem großen Anteil Kurkuma. Die Curry Leaves haben ihren Namen vielmehr, weil sie vor allem in der südindischen und srilankischen Küche als Gewürz in Currygerichten genutzt werden. Sie wachsen an einem in Asien beheimateten Baum, dem Curry Tree. Der Geschmack wird als holzig, leicht rauchig mit einer zitronigen Note beschrieben. Ich verwende sie recht sparsam und friere den Rest ein. Schon allein, weil sie sehr kräftig sind und der Geruch meinen Kühlschrank, in dem ich sie nur kurz über Nacht gelagert hatte, quasi komplett übernommen haben. Gefroren und direkt ins Würzöl geworfen verlieren sie zwar ein wenig an Intensität, sind aber noch immer viel kräftiger als die getrockneten, auch beim Inder erhältlichen Curry Leaves, die ich sonst nutze.
- Rote Beete Knollen gut abbürsten und dann ungeschält in einem kleinen Topf legen und mit gerade so viel Wasser aufgießen, dass sie bedeckt sind
- Ingwer schälen und fein reiben, 1 TL davon ins Kochwasser geben, 1/4 TL Salz und je nach Schärfevorliebe Chili zufügen
- zum Kochen bringen und so lang mit geschlossenem Deckel sanft köcheln lassen, bis die Knollen gar sind - das kann schon zwischen 20 und 30 Minuten dauern und läßt sich durch vorsichtiges Anstechen prüfen
- Knollen heraus nehmen und abkühlen lassen, der Sud kann entsorgt werden
- rote Beete schälen - Küchenhandschuhe sind hier nicht schlecht, wenn Ihr verfärbte Finger vermeiden wollt
- Joghurt mit dem restlichen Salz, dem Kreuzkümmel und ein paar Chiliflocken abschmecken und auf einem Servierteller verteilen
- Beeten in dünne, lange Stifte hobeln oder in eine Form Eurer Wahl schnibbeln und auf dem Joghurtspiegel verteilen
- Öl in einem kleinen Pfännchen heiß werden lassen, ein paar Stücke vom frischen Chili, den restlichen geriebenen Ingwer, Curryblätter und getrockneten Chili einrühren und nur für wenige Sekunden Aroma ziehen lassen
- Würzöl über die Beeten geben
- losdippen!

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