Vor vielen Jahren, es muss Anfang der 90er gewesen sein, saßen zwei damals noch recht junge Touris aus Deutschland in einem chinesischen Restaurants im Londoner
Stadtteil Soho und verblüfften das Service- und Küchenpersonal. Nicht etwa, weil wir (ja, ich gebe es zu, ich war die eine davon, die andere war eine liebe Freundin, deren Namen ich hier nicht
nennen will. Hüstel. Carina!) so toll gewesen wären oder so elegant, eloquent oder weltgewandt. Nein, weil wir es fertig brachten, uns zu zweit durch die halbe Speisekarte zu
futtern. Noch dazu in einem Restaurant, das etwas abseits der Tourirouten lag und eher von älteren chinesischen Herrschaften frequentiert wurde. Unsere Anwesenheit und vor allem die
Menge, die wir zwei vertilgen konnten, war anscheinend so verblüffend, dass an einer Stelle das Personal aus der Küche kam, um uns ganz offen zu bestaunen. Wahre Geschichte!
Was mir von damals am stärksten im Gedächtnis geblieben ist, waren abartig gute, frittierte Algen, die wir sogar nachbestellt haben, obwohl uns der Ober etwas fassungslos darauf aufmerksam machte, dass wir doch schon für zwei bestellt hätten.
Und es war uns (fast) gar nicht peinlich. Wir waren einfach so fasziniert und ein wenig naiv und freuten uns am Essen.
Da saßen wir also mit großen Augen und vollen Backen und bestaunten heimlich die betagten chinesischen Herrschaften, die an den Nachbartischen in einer Bombengeschwindigkeit Mahjong spielten und nebenbei Schweinerippchen gegessen haben. Und zwar nicht etwa wie wir Barbaren mit den Fingern, sonder extrem elegant mit Stäbchen. Wir haben es auch versucht. Man brachte uns europäisches Besteck und Servietten. Aus Gründen.
Nun ist Dorothée von bushcooks kitchen derzeit Host bei Zorras Blog-Event CCXXVII und hat das Thema „Köstliches China“ gewählt. Anders als Dorothée kenne ich die asiatische Küche aber mehr oder weniger nur aus zweiter Hand, denn ich war noch nie in einem der tatsächlichen Herkunftsländer.
Ich kenne allerdings viele der Gerichte und Aromen aus den Küchen der jeweiligen Ein- bzw. Auswanderer. Die indische und chinesische Küche habe ich vor recht langer Zeit in England kennengelernt, die malayische und indonesische in den Niederlanden und das alles jeweils lange, ehe sie es bis in die schwäbische Provinz geschafft haben. Heute haben wir hier in der Schwabo-Pampa in der näheren und weiteren Umgebung viele bunte Restaurants und asiatische Einkaufsmöglichkeiten. Natürlich ist das meiste davon europäisiert. Vieles mit gutem Grund. Wer einmal in Übermut original thailändisch-scharf bestellt hat, weiß, was Schmerzen sind. Hier kommen also nun meine Hoisin-Ribs in Reminiszenz einer längst vergangenen London-Reise, von der wir bis heute erzählen.
für drei Hungrige:
ca. 1,5kg rohe Schälrippchen vom Schwein
Saft von 3 kleinen Orangen
Salz und Pfeffer
1 Knolle Knoblauch
2 EL Fünfgewürzepulver gekauft oder aus gemahlenem Sternanis, Szechuanpfeffer, Nelken, Fenchelsamen und Zimt selbst gemischt
2 EL Öl
300ml Hoisinssauce
2 Frühlingszwiebeln
- Rippchen in Stücke à zwei, drei Knochen schneiden
- in eine große Schüssel geben und mit Salz, Pfeffer und Fünfgewürzepulver bestreuen und im Gewürz wenden, dass die Fleischstücke rundum gleichmäßig bedeckt sind
- dann in einer großen, tiefen Pfanne im Öl in Etappen von beiden Seiten anbraten
- mittlerweile Backofen auf 180° Ober-/Unterhitze oder 170° Umluft vorheizen
- Knoblauchzehen schälen und halbieren
- Orangensaft mit Hoisinsauce verquirlen
- Rippchen in eine große, hitzebeständige Form legen - sie dürfen auch in zwei Lagen liegen - Knoblauchzehen darauf verteilen und mit der Marinade bepinseln, die restliche Marinade mit in die Form geben
- Form mit einem Deckel oder mit Alufolie verschließen
- Rippchen im Backofen zwei Stunden garen, dabei immer mal wieder die Marinade darüber schöpfen und dann die Form wieder schließen
- nach zwei Stunden sollten die Rippchen so gar sein, dass sich das Fleisch leicht vom Knochen lösen läßt
- Form aus dem Ofen nehmen, Rippchen nebeneinander auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen
- Sud auffangen, der schmeckt als Sauce
- Backofen auf Grillstufe stellen und das Blech auf die zweitoberste Schiene schieben
- fünf bis zehn Minuten grillen, bis die Rippchen eine schöne Farbe haben - Vorsicht, nicht zu dunkel werden lassen!
- Frühlingszwiebel waschen und in Ringe schneiden
- Rippchen auf einer Platte anrichten, mit Zwiebelringen toppen und servieren - wer mag, reicht die Sauce dazu
Dazu passt wunderbar z.B. ein Rotkohlsalat mit Erdnüssen oder Smashed Radiesle. Bei uns gab´s, wie man sieht, nicht ganz stilecht Fenchelkranz dazu. Ach ja, und wir haben ganz barbarisch mit den Fingern gegessen. Rippchen mit Stäbchen hat nicht so gut geklappt.


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Dorothée (Montag, 13 April 2026 12:16)
Liebe Simone,
Deine Geschichte klingt herrlich und die Rips sehen genauso köstlich aus. Vielen Dank für den tollen Beitrag.
zorra vom kochtopf (Sonntag, 17 Mai 2026 14:35)
Das ist ja wieder mal eine Geschichte und die Ribs sehen mega lecker aus! Danke fürs Mitmachen!