Kleines Vorwort: Ich lebe mit dem größten Butterzopf-Fan diesseits der Alpen zusammen.
Blöd nur, dass ich ums Verrecken - Verzeihung - nicht in der Lage bin, einen Zopf mit vier Strängen zu flechten, und das gehört sich nun einmal zumindest für einen Schweizer Zopf.
Komischerweise bekomme ich eine Challa mit vier Strängen locker hin. Blind. Ohne Nachzudenken.
Langer Rede kurzer Sinn: Die hier gezeigte Challa, also der Hefeknoten, um das mal anders auszudrücken, war ursprünglich als Zopf geplant.
Ich zeige Euch heute also
the Challa formerly known as Butterzopf.
Und weil der Gatte zwar jederzeit stinknormalen Schweizer Ankezüpfe essen könnte, ich aber zufällig einen Foodblog betreibe und nicht immer das gleiche Rezept zeigen kann, gibt es die fancy Version mit Walnüssen, Parmesan und Rosmarin.
Weil: Erstens lecker und zweitens viel spektakulärer.
Zu meinen Backanfangszeiten - und das war bei mir im frühen Teenageralter - war Hefeteig mein absoluter Gegner.
Das lag wahrscheinlich daran, dass das einzige Rührgerät im Haushalt meiner Mama ein elektrischer Handrührer war, der ewige Zeiten heftigen Kuchenbackens überstanden hat und von meiner Mama "das Rädle" genannt wurde.
Die Küchen meiner Mutter und die von Oma Marie waren immer gut ausgestattet. Mama Erika hatte sie wohl eine der ersten Microwellen der damaligen Zeit. Der Elektrodrehgrill wurde bestimmt jeden zweiten Samstag mit zwei Hähnchen beladen, Brot wurde schon in den späten 70ern elektrisch geschnitten, die elektrische Moulinette funktioniert bis heute und ist so laut, dass einem beim Karottenraspeln die Zähen klappern. Später kamen Brotbackautomat, Raclette, Kontakgrill und was nicht noch alles dazu und alles bis auf eine Joghurtmaschine, die seit 40 Jahren praktisch ungenutzt im Schrank steht, kam zum Einsatz.
Für einen recht großen Hefeknoten:
300ml Milch + 1 EL für den Glanz
2 TL Zucker
80g Butter
450g Weizenmehl Type 405
150g Dinkelmehl, hier Dinkelruchmehl
7g Trockenhefe
90g geriebener Parmesan
1 TL Salz
150g Walnusskerne
1 Zweig Rosmarin
1 Ei
Wie oben erwähnt weiß ich also recht genau, woher mein etwas irrer Hang zu sämtlichen Küchengadgets kommt: Vererbt!
Wie dem auch sei, eine anständige Rührmaschine gab es bei meiner Mama ewig nicht. Die wurde erst sehr spät angeschafft.
Der Grund? Einfach: Sowohl meine Oma als auch meine Mama haben den Hefeteig von Hand geschlagen, geknetet und wunderbar hinbekommen. Wahrscheinlich aus Überzeugung. Ich nicht. Mir fehlen dazu die Geduld und vor allem die Muskeln. Hefeteig ist echte Arbeit... die ich wiederum der Küchenmaschine überlasse. Tadaaaaa! Seither ist Hefeteig mein Freund.
Also los, gehen wir es an:
- 300ml Milch erwärmen, vom Herd nehmen, Zucker einrühren und die Butter darin schmelzen lassen
- in der Küchenmaschine (hört, hört!) Mehl, Trockenheft, Salz und den Parmesan mischen, dann die lauwarme Milchmischung zufügen
- erst auf langsamer Stufe mischen, dann 10 Minuten auf mittlerer Stufe mit dem Teighaken zu einem geschmeidigen Hefeteig kneten
- mittlerweile Walnüsse grob und Rosmarin fein hacken
- unter den Hefeteig kneten
- Teig 30 Minuten zugedeckt gehen lassen
- nun den Teig in vier gleich schwere Stücke teilen
- jedes Teil zu einem ca. 40cm langen Strang formen
Jetzt geht´s ans Flechten und ich stelle gerade fest, dass in dem Fall das Flechten deutlich einfacher ist, als das ganze schriftlich zu erklären. Egal, versuchen wir´s mal... und Schritt für Schritt-Bilder könnt Ihr bei meinem Butterknoten von 2018 angucken.
- je zwei Stränge mittig so über Kreuz zu den anderen Strängen legen, dass jeweils eine Teigrolle über und eine unter den anderen Rollen liegt
- im ersten Durchgang die Enden der jeweils unten liegenden Stränge im Uhrzeigersinn über die daneben liegenden Rollen legen
- im zweiten Durchgang die jetzt jeweils unten liegenden Enden gegen den Uhrzeigersinn über die Stränge daneben legen
- zum Schluß die Enden unter den Knoten schieben und etwas festdrücken
- vorsichtig auf ein mit Backpapier oder Dauerbackfolie belegtes Blech setzen
- abgedeckt eine Stunde bei Zimmtertemperatur gehen lassen
- Backofen auf 180° Umluft vorheizen
- 1 EL Milch mit dem Ei gut verquirlen und die Challa damit einpinseln - ich lasse den ersten Anstrich gerne etwas antrocknen und gehe ein zweites und drittes Mal mit dem Eiglanz darüber
- in der Mitte des Backofens ca. 30 Minuten golden ausbacken
- auf einem Gitter abkühlen lassen und dann genießen!
Übrigens: Bestes Frühstück ever an einem späten Sonntagmorgen mit Spiegelei, Tomaten und Milchkaffee!

Kommentar schreiben