Hab ich schon erwähnt, dass hier im Haus zwei ganz unterschiedliche Menschen wohnen?
Eine, die unheimlich gerne kocht und ganz viel ausprobieren will. Und ein anderer, der vor 26 Jahren gesagt hat, dass es fast nichts gibt, das er nicht essen mag. Kicher. Ja genau.
Einer davon hat seine Meinung mittlerweile geändert. Ratet mal, wer!
Der arme, arme Herr zimtkringel muss immer Sachen essen, die er nicht mag. (Muss er natürlich nicht.)
Aber ich bekomme immer wieder Zuschriften, die voll Mitleid mit dem guten Mann sind.
Um das nochmal zu betonen: In zimtkringeltown muss niemand Dinge essen, die er oder sie nicht mag. Und es hungert auch niemand, denn wir haben immer einen geheimen Vorrat im Haus: Gar
köstliche Ramensuppen und viele, viele Dosen mit Ravioli. Man(n) weiß nämlich nie, wann die komische Foodbloggerin wieder Gerichte kocht, die gegen die Menschenrechte verstoßen.
Kleiner Einschub: Vor vielen, vielen Jahren habe ich Musik gemacht. Und zwar so richtige Humtata-Musik im Festzelt. Manchmal kam es vor, dass die Kapelle erst mit Abauen fertig war, wenn die Küche längst geschlossen hatte und Bratwurst und Co. ausverkauft waren. Was es aber meist noch gab, waren Fischweckle. Brötchen mit eingelegtem Hering, Zwiebeln und mit etwas Glück auch noch einer Scheibe saurer Gurke. Heringsweckle waren uns nach Mitternacht als Heimwegsnack oft sehr willkommen.
Langer Rede kurzer Sinn: Fischweckle sind großartig! Richtige Lebensretter! Und eine echte Sauerei, wenn man schwer beladen mit Instrumentenkoffer auf dem Weg zum Auto ist und versucht, einhändig zu essen, ehe der Fischsabber in die Bühnenklamotten läuft. Zu meiner eigenen Überraschung habe ich hier schon vor Jahren eine Bastelanleitung zu der etwas edleren Variante, die hier auf Foto zu sehen ist, geschrieben.
Während gebratener oder gekochter Fisch nicht sonderlich weit oben auf meiner Präferenzliste stehen - es finden sich im Rezeptverzeichnis unter Fisch dennoch eine ganze Menge Rezepte - geht eingelegter Fisch, ausgenommen Surströmming, bei mir eigentlich immer. Egal, ob auf dem Brötchen, als Snack, als Aufstrich oder als Salat.
Mein absoluter Favorit ist Matjes. Matjes ist besonders zarter, milder Hering, der vor der Geschlechtsreife gefangen und in Salzlake gereift wird. Ich liebe ihn, der Herr zimtkringel bekommt schon beim Anblick das große Würgen.
Und damit schließt sich der Kreis wieder: Ich bastle für mich eine ordentliche Portion Matjessalat und Thomas schaut mal, wie viele Raviolidosen wir noch da haben....oder, ich bin ganz besonders nett und bastle für ihn, wo wir gerade bei Fisch sind, einen schnellen Thunfischaufstrich. Den liebt er nämlich. (Rezept folgt!)
Nun aber erst einmal zu einer besonders üppigen Portion Matjesalat mit Kartoffeln, die locker als ganze Mahlzeit durchgeht:
2 Matjesfilets, küchenfertig
2 mittlere gekochte Kartoffeln
1/2 Zwiebel
1 Apfel
1 Gewürzgurke
2 EL vom Gurkensud
1 EL Naturjoghurt
1 EL Mayonnaise
1 TL Senf
Schale und Saft einer halben Limette
Salz, Pfeffer und Zucker
Kräuter nach Belieben, ich liebe Dill
- gekochte, abgekühlte Kartoffeln pellen und in nicht zu kleine, gleichmäßige Würfel schneiden - ich nutze gerne festkochende Kartoffeln vom Vortag
- Matjesfilets etwas abtropfen lassen und ebenfalls in nicht zu kleine Stücke schneiden
- Zwiebel schälen und in feine Ringe schneiden, dann mit etwas Salz und Zucker in der Salatschüssel mischen und ruhig etwas durchkneten
- Gurke in Scheiben oder Würfel schneiden
- Apfel waschen, Kerngehäuse entfernen aber nicht schälen, dann würfeln und mit dem Limettensaft mischen, damit er nicht braun wird
-
aus Gurkensud, Joghurt, Mayo, Senf, Limettenabrieb, wenig Pfeffer und Zucker ein Dressing rühren, dieses zu den Zwiebeln geben und noch einmal abschmecken
- Dill waschen, trocken schütteln und fein hacken - die Kräuter-Jahresernte landet bei uns meist im Froster, ich füge also hier einfach üppig gefrorenen, vorgeschnittenen Dill zu
- übrige Salatzutaten dazu geben und vorsichtig unterheben
- mindestens eine halbe Stunde durchziehen lassen - der Salat läßt sich locker schon am Vorabend vorbereiten und dann gut verpackt als kleine Pausenmahlzeit mitnehmen - immer vorausgesetzt, Ihr habt keine Menschen im näheren Umfeld, die bereits den Geruch als Verstoß gegen quasi alles werten... ich sags ja nur...

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El-Fee (Montag, 23 Februar 2026 21:28)
Ich ernenne dich hiermit zur Norddeutschen ehrenhalber!
Guten Appetit! El-Fee